Kuji in und Kuji kiri

Ninpo mikkyo


Befasst man sich mit den Ninja intensiver, kommt man an den geheimnisvollen Fingerzeichen nicht vorbei. An dieser Stelle möchte ich daher etwas näher darauf eingehen. Vorweg erlaube ich mir allerdings den Hinweis, dass ich in dieser Thematik kein Experte bin. Um KUJI IN und KUJI KIRI vollends zu verstehen, bleibt es nicht aus, sich tiefgreifender mit dem Buddhismus auseinanderzusetzen. Einen großen Einfluß auf die NINJA übten hierbei die Traditionen des TENDAI und SHINGON aus, zwei Strömungen des esotherischen Buddhismus aus Japan.

 

Die Kenntnisse über die Handgesten gehören eher in die Kategorie Geheimwissen und wurden nur Mitgliedern der jeweiligen Traditionen vermittelt, dennoch haben die Praktiken inzwischen den Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Im deutschsprachigen Raum waren wohl die ersten beiden Bücher, die sich dieser Thematik annahmen das Buch "Ninja - Geschichte, Philosophie und Kultur der Schattenkämpfer" von Andrew Adams (hier war es ein kurzes Kapitel) und das Buch "Ninja Band 2 - Die Wege zum Shoshin" von Stephen K. Hayes mit einer etwas ausführlicheren Abhandlung. Noch intensiver befasste sich Wolfgang Ettig in seinem Buch "Kuji in" damit - widmete der Thematik sogar ein ganzes Buch, aber auch dieses Werk beleuchtete nur die Oberfläche in diesem Bereich.

 

Was bedeutet nun KUJI IN und KUJI KIRI?

Laut Adams gab es bei den Ninja aus Iga 81 verschiedene Handgesten, im japanischen KETSU IN genannt. In der westlichen Welt ist hierfür eher der Begriff MUDRA geläufig. KUJI IN bedeutet übersetzt etwa "Neun-Silben-Handgeste" und umfasst hierbei die  9 Gesten namens: RIN, PYO, TOH, SHA, KAI, JIN, RETSU, ZAI und ZEN.

KUJI KIRI bedeutet übersetzt etwa "Neun-Silben-Schnitte" - hierbei handelt es sich um eine Art Ritual, bei dem unter anderem mit einem "Handschwert" ein Kreuzgitter aus 9 Linien in die Luft geschnitten wird. Jeder Schnitt steht in diesem Gitter für ein Zeichen aus dem KUJI IN. Mit einem zehnten Zeichen, JUJI genannt und welches ebenfalls mit dem Handschwert in das Gitter gezeichnet wird, kann das Kreuzgitter noch mit einem bestimmten Zweck ausgerichtet/verstärkt werden.

 

 

Die Handzeichen des KUJI IN

Auf das Einfachste heruntergebrochen, kann man sich die Hände wie eine Schaltzentrale vorstellen. Durch die verschiedenen Handgesten werden Energien kanalisiert und auf verschiedene Weisen miteinander kombiniert. Eine Rolle spielt hierbei die Dualität der Dinge, wie sie in der asiatischen Philosophie üblich ist und in vielen Bereichen auftaucht. Vielen bekannt als YIN und YANG, im Japanischen aber IN und YO bezeichnet.

 

Linke Hand

  • IN (chin. Yin)
  • TAIZOKAI - Materielle Welt
  • zeitlich begrenzte Wirklichkeit
  • Unterwerfung des aktiven Geistes
  • empfangen
  • innen
  • negativ
  • kalt
  • etc.

 

Rechte Hand

  • YO (chin. Yang)
  • KONGOKAI - reine Weisheit
  • letzte Wahrheit
  • Schaffen von reinem Wissen
  • übertragen
  • außen
  • positiv
  • warm
  • etc.

Auch den Fingern selbst ist eine Bedeutung zugeschrieben:

Kleiner Finger

CHI - Erde

Körper

Stabilität

 

Ringfinger

SUI - Wasser

Gefühle

Anpassungs-fähigkeit

 

Mittelfinger

KA - Feuer

Intellekt

Aggressivität

 

Zeigefinger

FU - Wind

Weisheit

Gutmütigkeit

 

Daumen

KU - Leere

Kommunikation

Kreativität


Je nachdem, wie also die Finger miteinander verschränkt werden, können bestimmte Zustände hervorgerufen werden. Allerdings lässt sich durch das reine Ausführen der Handgesten kein Effekt erzielen, denn es fehlen zwei weitere Komponenten. Neben dem Ausführen des KETSU IN gehört ein JUMON (Mantra) dazu und NENRIKI, eine konzentrierte Absicht.

Im westlichem Weltbild kann man es sich wie das Beten vorstellen - die gefalteten Hände bilden das KETSU IN, die Worte des Gebetes stellen JUMON dar und der Wunsch oder der Blick zum Altar formen NENRIKI.

Fehlt eines der Komponenten oder sie werden nicht korrekt ausgeführt, stellt sich auch kein Effekt ein. Im schlimmsten Fall kann es sich sogar negativ auswirken - sozusagen zum "Kurzschluß" führen, um mein bildhaftes Beispiel mit der Schaltzentrale aufzugreifen.

Im folgenden möchte ich die 9 Handgesten des KUJI IN einmal darstellen. Im Internet finden sich zu den Bezeichnungen auch noch andere Abbildungen. Teils wurden sie vertauscht, teils sieht die Ausführung anders aus. Dazu habe ich hier anschließend noch etwas angemerkt.


Kuji Handzeichen Rin

RIN (Dokko in)

Zeichen des tibetanischen Vajra-Blitzstrahls

 

Es wird angewendet, um notwendige Kräfte zu mobilisieren,damit kommende körperliche und geistige Hindernisse überwunden werden können und alles besiegt wird, was Schaden zufügen kann.

Es ist die Handgeste der Gottheit Bishamon ten. Er ist Hüter des Nordens und einer der 4 Himmelskönige (Shi Tennô).

 



Kuji Handzeichen Pyo

PYO (Daikongo in)

Zeichen des großen Diamanten

 

Es wird angewendet, um mittels kanalisierter Energie die eigenen Kräfte in den notwendigen Bewusstseinszentren anzuregen, womit das gewünschte Ziel schneller erreicht werden kann.


Es ist die Handgeste der Gottheit Gôsanze Myôô. Er ist einer der 5 Lichtkönige.

 



Kuji Handzeichen Toh

TOH (Sotojishi in)

Zeichen des äußeren Löwen

 

Es wird angewendet, um sich harmonisch zum Lauf des Universums zu bewegen und durch Einstimmung auf die Kräfte des Schicksals, nötiges KI-AI freizusetzen, um den Lauf der Dinge vorauszuahnen und sich dementsprechend zu verhalten.


Es ist die Handgeste der Gottheit Jikoku ten (Der, der das Reich aufrecht erhält). Er ist der Hüter des Osten der Shi Tennô.

 



Kuji Handzeichen Sha

SHA (Ushijishi in)

Zeichen des inneren Löwen

 

Mit diesem Zeichen wird die Fähigkeit gestärkt, sich selbst oder andere zu heilen oder ein gesundes Umfeld zu fördern.


Es ist die Handgeste der Gottheit Kongôyasha Myôô. Er ist einer der Myôô-Gottheiten des Buddhismus.

 



Kuji Handzeichen Kai

KAI (Gebakuken in)

Zeichen der außen verbundenen Faust

 

Dieses Zeichen wird verwendet, um ein erweitertes Bewusstsein zu erlangen, damit drohende Gefahren vorausgeahnt werden können. Es hilft, sich von Leidenschaften und Illusionen zu lösen, welche den Geist blockieren.

 

Es ist die Handgeste der Gottheit Fudô Myôô (Der Unbewegliche). Er ist einer der Myôô-Gottheiten des Buddhismus.

 



Kuji Handzeichen Jin

JIN (Naibakuken in)

Zeichen der innen verbundenen Faust

 

Dieses Zeichen wird benutzt, um das eigene Bewusstsein darauf einzustimmen, die Gedanken der anderen aufzufangen, als auch das Aussenden der eigenen Gedanken zu stimulieren. Es hilft, die Beschränkungen des Geistes auf das bloße Erfassen von Sinnesreizen zu überwinden.


Es ist die Handgeste der Gottheit Gundari Myôô. Er ist einer der Myôô-Gottheiten des Buddhismus.

 



Kuji Handzeichen Retsu

RETSU (Chiken in)

Zeichen der Faust der Weisheit

 

Dieses Zeichen befreit symbolisch von den Grenzen des Raumes und der Zeit. Um sich im Geist an entfernte Orte zu begeben oder in der Zeit zu reisen, damit dort Wissen gesammelt werden kann, welches hier und jetzt zur Problembewältigung verwendet werden kann, dafür wird dieses Zeichen verwendet.

 

Es ist die Handgeste der Gottheit Kômoku ten (Der, der alles sieht). Er ist der Hüter des Westens der Shi Tennô.

 



Kuji Handzeichen Zai

ZAI (Nichirin in)

Zeichen des Sonnenringes

 

Das durch Zeigefinger und Daumen gebildete Dreieck symbolisiert das Feuer, mit dessen Hilfe alle Unreinheiten auf dem Weg zum Erheben des Geistes jenseits der Grenzen von Materie und dem Einswerden mit dem Universum zerstört werden.


Es ist die Handgeste der Gottheit Daiitoku Myôô. Er ist einer der Myôô-Gottheiten des Buddhismus.

 



Kuji Handzeichen Zen

ZEN (Ongyo in)

Zeichen der versteckten Form

 

Dieses Zeichen hilft, mithilfe der kosmischen Kräfte für schlechte und niedrige Menschen unsichtbar zu werden und die Fähigkeit zu erlangen, bei drohendem Mißerfolg verschwinden zu können.


Es ist die Handgeste der Gottheit Zôjô ten (Der Wachstumsmehrer). Er ist der Wächter des Südens der Shi Tennô.

 



ANMERKUNG:

Ein deutscher SHINGON-Priester erklärte mir vor einiger Zeit, dass sich die Handgesten in ihrer Form von Tradition zu Tradition unterscheiden und man daran die entsprechende Glaubensgemeinschaft erkennen kann.

Daraus schlussfolgernd ist also gut möglich, dass es zum Namen verschiedene Ausführungen der Handgesten gibt - natürlich auch auf die Gefahr hin - das einige Ausführungen falsch sind. Das kann übrigens auch auf meine Abbildungen zutreffen.

 

 


Quellennachweis:

"NINJA" - Andrew Adams - Falken-Verlag
"NINJA 2 - Die Wege zum Shoshin" - Stephen K. Hayes - Falken-Verlag

"KUJI IN" - Wolfgang Ettig - Tengu Publishing Verlag