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Wohin mit den Leichen?


Diese Geschichte geschah Mitte  des Jahres 1991 und Handlungsort war der kleine Turnraum einer Turnhalle in Leipzig-Thonberg.

 

Jeden Donnerstag stürzen sich etwa 15-18 Jugendliche in ein exotisches Trainingsabenteuer, denn sie werden in "NINJUTSU-Selbstverteidigung" unterrichtet. Trainer dieser kleinen Gruppe ist ein Angehöriger der Bereitschaftspolizei. Gefühlt war er mit allen nur erdenklichen Ninja-Accessoires und -Gegenständen ausgestattet, inklusive einer Trainingstasche mit Ninja-Aufdruck. Jedem Außenstehenden musste sofort klar sein, der meint es "ernst".

 

Seine Kurse dauerten liefen über zwei Monate, kosteten um die 45,00 DM (für die jüngeren Leser - das war die Währung vorm Euro) und endeten mit einer Gürtel-Prüfung.


Prüfungsinhalt war die erfolgreiche Verteidigung gegen 4 Angreifer (können auch 8 gewesen sein, liegt schon zu lange zurück), mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Es war leicht abzusehen, dass dies nur in einer wilden Schlägerei enden würde, zumal die Trainingsinhalte (sehr an Karate und Judo erinnernd) zu breit gefächert, nur kurz angerissen werden konnten - von Trainingspädagogik ganz zu schweigen.

In der kurzen Zeit wurde neben Befreiungen bei Würgen und Umklammerungen auch Hebeltechniken, https://www.ninpo-ralph.de/boombastic-story-hakama/ Tritte und Schläge, sowie mit Waffen geübt. Zum Einsatz kamen Hanbo, Bo, Nunchaku und Tonfa.

 

Leiche im Busch
Foto: ninpo-ralph.de *


Das Interessanteste des Trainings war aber die Finalisierung jeder angewandten Technik im Kurs - faktisch das "i"-Tüpfelchen, um dem "Killer-Image der Ninja" in dieser Zeit gerecht zu werden. Jede demonstrierte Abwehr, aber auch wirklich Jede, endete mit Genickbrechen oder Erwürgen des Gegners.

 

Ich habe von diesem Kurs im Gespräch mit einem Bekannten erfahren, der dort selbst Teilnehmer war. Seit einem halben Jahr Bujinkan Ninpo Taijutsu bei der I.N.A.G. trainierend, habe ich mich als Quereinsteiger zum Testtraining "eingeschleust" und mich als "absolute beginner..." ausgegeben. Es war einerseits amüsant, zum anderen aber auch erschreckend, was ich dort erlebte. Nach 3-4 Trainingseinheiten outete ich mich... Es gab hier dann auch noch eine lustige Situation, wo der Trainer OMOTE GYAKU demonstriert bekam, und er darauf mit aller Kraft beweisen wollte, dass es gegen ihn nicht funktioniert... ;)

 

Mit meiner damaligen Partnerin - ebenfalls I.N.A.G.-Mitglied - witzelten wir darüber, dass bei den anfallenden Leichen im Ernstfall, die Gebüsche in der Umgebung knapp werden könnten.

 

Ein Gutes hatte die ganze Geschichte dennoch, ich konnte mehrere Mitglieder für meine erste Trainingsgruppe in Leipzig gewinnen, welche 1992 entstand. Hier bestand die Möglichkeit, das verschrobene Bild vom "wilden Killer-Ninja" wieder gerade zu rücken.


* Hinweis für diejenigen, die den Witz nicht erkennen - das Bild ist gestellt! Es handelt sich hierbei also um keinen tatsächlich Toten, kein Mordopfer oder was auch immer. Nach dem der Besitzer der beiden Beine feststellte, dass er in einem Ameisenhaufen lag, war er sehr, sehr schnell wieder lebendig auf seinen Beinen unterwegs  ... ;)